Es kommt (leider allzu) selten vor, dass sich junge Leute für die Arbeit des Kantonsparlamentes, des Bernischen Grossen Rates interessieren. Heute Abend war eine Ausnahme.
Michèle Lindegger, eine Roggwiler Gymnasiastin hat mich im Rahmen einer Arbeit für den Gymer über meine Tätigkeit als Grossrat befragt. Hier ihr Interview im Originalton:
Interview mit Grossrat Markus Meyer (SP)
(Fragen von Michèle Lindegger, Roggwil)
Wie erklären sie ihren Kindern, was sie da genau machen in Bern?
Sie wissen natürlich, dass mein Dasein als Grossrat ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist. Ich sage ihnen, dass wir im Grossen Rat gesellschaftliche Fragen und Probleme diskutieren, dass wir reglementieren und wichtige Entwicklungen beschleunigen.
Sie sind nun schon 12 Jahre im Grossen Rat. Haben sie das Gefühl, dass sie in dieser Zeit etwas verändern konnten?
Als noch die Bürgerlichen Parteien die Mehrheit hatten, konnten wir kaum etwas bewirken. Aber dann änderte sich die Situation und es wurde spannend. Manchmal entschied eine einzelne Stimme über die Mehrheit! So kann man natürlich viel mehr bewegen.
Als einzelner kann ich nie etwas verändern, dazu müssen wir Koalitionen bilden. Schlussendlich kann nicht derjenige etwas verändern, der einfach seine Stimme abgibt; es ist das Initiieren und Durchstehen des ganzen Prozesses, von der Motion bis zur Abstimmung, das ausschlaggebend ist.
Was ist im Moment ihr grösstes Anliegen, für was kämpfen sie?
Zum Einen ist das die Vorsorge der Angestellten des Kantones. Auch das Lohnsystem der Lohnsystem hat eine Änderung dringend nötig.
Und zum Anderen ist es die Struktur der Polizei, die es noch zu optimieren gilt.
Wann ist der interessanteste Moment einer Grossratssitzung? Und wann der langweiligste?
Seit die Bürgerlichen Parteien nicht mehr so stark sind, habe ich noch nicht viele Abstimmungen verpasst; es kann jedes Mal knapp werden. Der allerschönste Moment in meiner politischen Laufbahn war es, als wir bei den Regierungsratswahlen die Rot – Grüne Mehrheit erreichten.
Die langweiligsten Momente sind die ritualisierten Debatten, wobei langweilig eigentlich nicht das richtige Wort ist. Für die Öffentlichkeit sind sie von grosser Bedeutung, aber jedes Ratsmitglied hat zu diesem Zeitpunkt schon eine feste Meinung gebildet.
Was fehlt ihnen im grossen Rat?
Es ist bereits das perfekte Parlament! (lacht) Nein, Spass beiseite. Es wäre gut wenn es mehr Spontanes geben könnte anstelle des Ritualisierten. Und es braucht natürlich mehr SP – Sitze!