Vom Umgang mit Zahlen
Schon oft habe ich mich darüber geärgert, dass wir in Gemeinde und Kanton beim Budgetieren mit schlechten Planzahlen diszlipiniert wurden, der Finanz-Minister dann aber eine Rechnung präsentierte, welche um hunderttausende von Franken (Gemeinde) oder dutzende, ja hunderte von Millionen (Kanton) besser abgeschlossen hat.
Dasselbe Spiel läuft bei der AHV. Es ist eine Binsenwahrheit, dass die AHV seit ihrer Gründung für Bankrott erklärt worden ist. Herausgestellt hat sich das dann immer als Schwarzmalerei. Besonders deutlich vor Augen geführt wird uns das durch die folgende Grafik, welche das Komitee “Sichere Altersvorsorge” in ihrem Mai-Bulletin 2010 publizierte.
Wir sehen hier eines deutlich. Die Prognosen waren immer zu pessimistisch. Über die mehr als 60 Jahre, welche es die AHV nun gibt, hat sie fast immer Überschüsse erwirtschaftet. Prognostiziert wurden aber konsequent Defizite.
Schauen wir uns mal das Jahr 2009 an. Alle sagten dafür ein Defizit voraus:
- Der 3-Säulen-Bericht von 1995 prognostizierte ein Minus von 4.6 Mia Franken
- In der Botschaft zur 11. AHV-Revision wurde ein Minus von 4.1 Mia Franken prognostiziert (Jahr 2000)
- In der Botschaft zur 11. AHV-Revision prognostizierte der Bundesrat noch ein Minus von 0.6 Mia Franken (2005).
All diese Prognosen liessen darauf schliessen, dass die AHV in einem schlechten Zustand ist. Was ist tatsächlich eingetroffen? Die AHV hat 2009 einen Überschuss von 3.917 Mia Franken (das sind 3′917 Millionen Franken!) erwirtschaftet. Ein gutes Resultat, wenn wir bedenken, dass wir mitten in einer Finanzkrise steckten und die Arbeitslosigkeit am Steigen war.
Es ist mir klar, ein kantonaler Finanzdirektor, ein Finanzminister muss nach dem Vorsichtsprinzip budgetieren. Auch ist es erfreulich, wenn ein Defizit nicht so hoch eintritt wie budgetiert oder wenn gar schwarze Zahlen rausschauen. Aber eines zeigt das: Vorsicht mit der Interpretation von Prognosezahlen!







