Von weichen und anderen Eiern…
Vor kurzem habe ich in der Berner Zeitung diese Aussage eines Lehrers und SVP-Grossratskandidaten gelesen: SVP-Kandidat: “Polizisten sind Weicheier!”
Da mache ich mir schon einige Gedanken. Es ist bekannt, mit welchen holzschnittartigen Bildern die SVP Politik macht. Dass aber ausgerechnet ein Lehrer über andere Staatsangestellte so vom Leben zieht, das erstaunt doch. Natürlich, dem lieben Mitkandidierenden um einen Sitz im Grossen Rat ist die Schlagzeile gewiss. In seinem Umfeld wird er Schulterklopfen geerntet haben dafür, dass er es dem Käser mal gesagt hat, dass er es denen da oben in Bern schon zeigen wird.
Wenn wir aber mal von der Öffentlichkeitswirksamkeit der Aussage wegschauen und uns dem Gehalt zuwenden, dann rollen sich schon ein paar Gedanken. Seit 8 Jahren bin ich nun Präsident der Berner Kantonspolizisten. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. Ich habe insbesondere gelernt, dass es “die Polizistin”, “den Tschugger” nicht gibt. Es gibt bei der Polizei eine unglaubliche Breite an Menschen. Einmal jährlich, beim Rapport des Kommandanten kommen die alle zusammen. Was man da sieht ist allerhand. Lange und kurze, dicke und dünne. Frauen und Männer. Tschugger mit Schnouz und Girlies mit Gucci-Handtasche. Lange Haare geföhnt, kurze Haare hochgestellt. Einfach alles. Das sind die Polizisten, wie ich sie kennen gelernt habe.
Auch kennen gelernt habe ich den Beruf, den sie ausüben. Dieser ist so vielfältig, wie die Menschen selber. Die taffe Polizistin mit Pistolengurt, Handschellen und Schlagstock, welche den Verkehr überwacht. Den Kriminalpolizisten, welcher einen Mörder einvernimmt. Die Kollegin, welche einer Familie die Nachricht vom Selbstmord des Vaters überbringen muss. Den von einem Unfall leicht Angeschlagenen, der vorwiegend Innendienst leistet. Und immer wieder das: Polizisten im Ordnungsdienst. Polizisten, welche dafür sorgen, dass Fussballrowdies und Polithooligans nicht Menschen und Sachen zusammenschlagen. Die sich dabei beschimpfen, bespucken, mit Hundedreck bewerfen lassen müssen. Und dabei ruhig zu bleiben haben. Denn sonst – es ist vor kurzem geschehen – landen sie selber vor dem Richter.
Weicheier?
Nun, im Zusammenhang mit solchen Äusserungen denke ich eher an eine weiche Birne.
